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Wetter-Rückblende > Monatliche Wetterrückblende > 1990 - 1999
Januar 1990
Der Januar wird den Aarauern als trüber, kalter und trockener Monat in Erinnerung bleiben. Es waren 25 trübe Tage (= mehr als 80% Bewölkung) zu verzeichnen. Die Sonne schien nur während 30 Stunden (= 42% der Norm). Zum dritten Mal hintereinander lag auch kein Schnee auf Feldern und Wäldern. Die seit Weihnachten dominierende Hochdrucklage bewirkte eine Hochnebeldecke, welche unsere Aarauer Auen fast immer verdüsterte, während es in höheren Lagen und am Juranordfuss stets sonnig war. In diese Zeit fiel auch der kälteste Tag des Monats (14.) mit einer Minimaltemperatur von -4,7 Grad. Ein paar wenige Schneeflocken am 5. und 6. (die ersten dieses Winters) erinnerten daran, dass es Winter war. Nur elf Tage nach dem kältesten Tag stieg das Thermometer auf 11,0 Grad, als Folge einer Westströmung auf der Südflanke des isländischen Zentraltiefs, dessen Randstörungen am 23./24. stürmisches Wetter verursachten. Bis fast zum Monatsende lagen die Temperaturen um die Mittagszeit zwischen 6 - 8 Grad. Diese Milde und blauer Himmel unter Föhneinfluss am 30. liessen bereits den Frühling erahnen!
Februar 1990
Als Rekordmonat wird der Februar in die Wettergeschichte eingehen (überdurchschnittlich hohe Niederschläge und Temperaturen - am 24. standen die Leute am Glace-Stand an der Igelweid Schlange! - Windhöchstgeschwindigkeiten, Schneemangel). In der ersten Monatsdekade bewirkten Hochdrucklagen sonnige und milde Tage mit wolkenlosem, strahlend blauem Himmel, was erneut Frühlingsstimmung aufkommen liess. Diese positiven Temperaturanomalien (auch jene vom März) waren denn auch der Grund für die markante Verfrühung der Obstbaumblüte (anfangs April). Am 11. begann eine einwöchige Schlechtwetterperiode, zuerst mit zwei rasch aufeinanderfolgenden Einbrüchen kalter Meeresluft und stürmischen Winden. Drüben im Jura war die Stockmatt weiss, auf den Strassen der Stadt lag 1 cm Nassschnee. Dann folgten mit milder, sehr feuchter Meeresluft äusserst ergiebige Niederschläge: In fünf Tagen fielen 77mm, mehr als die Februar-Norm und die Hälfte der gesamten monatlichen Niederschlagsmenge. Am 15. war die "Sintflut" zu Ende, wiederholte sich jedoch nach einer zehntägigen Schönwetterperiode an den drei letzten Tagen im Monat. Aber damit nicht genug: Am Nachmittag des 27. fegte ein verheerender Sturm über unsere Wälder und legte in den stadtnahen Waldungen die rund zweieinhalbfache Menge einer normalen Jahresnutzung zu Boden. Die Hauptschadengebiete waren Abt. 12 (südlich Mittelweg) und Abt. 13 (zwischen Köllikerweg und Unterentfelder Grenze, sowie Plateau oberhalb Roggenhausen), ferner Abt. 1 (am Bierwegli), Abt. 5 und 6. Es blieb praktisch kein Waldteil verschont. Waldbaulich waren die Schäden weit katastrophaler als 1967.
März 1990
In der Nacht zum ersten Tag im März stürmte es nochmals heftig, die Schäden hielten sich jedoch in Grenzen. Ein Polarlufteinbruch zu Monatsbeginn hatte wieder einmal Minus-Temperaturen bis -4,5 Grad zu Folge - die ersten seit 10. Februar. Am 1. und 2. fiel auch ganz wenig Schnee. Ein atlantisches Hoch dehnte sich in den Kontinent hinein aus und liess den Barometerstand am 3. zur Rekordhöhe in diesem Jahrhundert ansteigen (noch höher als am 30. Januar 1989). Damit wurde eine ungefähr dreiwöchige Periode eingeleitet, in welcher der Hochdruckeinfluss mit nur kurzen Unterbrüchen dominierte. Am Schluss dieser Periode kletterte das Thermometer auf 22,6 Grad (22.). Einen Tag später zeigte die frühaustreibende Buche am Goldernwaldrand im untern Kronenbereich ihr erstes grünes Blatt. Auch die Knospen der Rosskastanie im Kasinogarten waren jetzt ganz geöffnet. Die Kirschbäume blühten so früh wie noch nie in diesem Jahrhundert. Vom 15. - 17. wurden in Herznach die Rebstöcke des Aarauer Ortsbürgerwy geschnitten. Am 23. näherte sich die lang andauernde vorfrühlingshafte Schönwetterperiode ihrem Ende. Die Entwicklung in der Natur stand wieder still. Gegen Ende des Monats war es kühl und regnerisch. Nur am letzten Tag war es Wieder wärmer (13,3 Grad). So kann der erste Frühlingsmonat als warm, überwiegend trocken und sonnig charakterisiert werden.
April 1990
Dagegen war der April um 1 Grad zu kalt, und die Sonnenscheindauer betrug nur zwei Drittel des Normalen. Aussergewöhnlich dichter Nebel erwartete die Frühaufsteher am Sonntagmorgen, 1. April. Während es am Vormittag noch 2,5 Grad kalt war, kletterte das Thermometer in Laufe des Nachmittags auf 20,1 Grad, so dass man sogar den Gartensitzplatz benützen konnte. Allerdings war in Aarau die Luft an diesem Tag ausserordentlich stark mit Ozon (138 mg/m3) belastet (bei einem Grenzwert von 120). In Zürich und Basel waren die Werte bedeutend tiefer (51, bzw. 108 mg/m3), auf der Messstation Bachtel jedoch ebenfalls 137 mg/m3. Warum der zu warme und sonnenreiche März keine solchen Überschreitungen aufzuweisen hatte, lässt sich nicht schlüssig beantworten. Feuchte Polarluft bestimmte den weiteren Verlauf der Witterung ab 5. bis gegen Monatsende. Ein sonntägliches Presseerzeugnis bezeichnete die Situation am Palmsonntag (8.) als "Wetter für Faulenzer und Langschläfer". Ab 28. wurde es wieder sonniger und wärmer. Am 30. betrug die Tagestemperatur 20,6 Grad (Monatsmaximum) . Der Waldarbeitstag am 7. profitierte von der kühlen, aber niederschlagsfreien Aprilwettersituation, ebenso das Pflanzensetzen ab 17. April. Die kühlen Luftmassen (- 1,1 Grad am 20.) bewirkten einen Stillstand der im März begonnenen Entwicklung in der Natur. Vor mehr als einem Monat hatte die "Goldern-Buche" ihr erstes grünes Blatt gezeigt, aber erst am 26. war sie vollständig belaubt.
Mai 1990
Die ersten Tage im Mai waren sonnig und frühsommerlich Warm (z.B. 24,4 Grad am 2.). Auch während der folgenden fast dreiwöchigen flachen Druckverteilung entstand ein bedeutender Wärmeüberschuss (+ 1,9 Grad für den ganzen Monat), auch wenn die Bewölkung teilweise recht stark war und gelegentlich auch mit oder ohne Gewitter Regen fiel. Der wärmste Maitag war der 23. mit 24„6 Grad. Ab 25. bewirkte die Zufuhr frischer Polarluft an der Ostflanke eines Hochs über den Britischen Inseln ein Absinken der Temperaturen bis auf + 1,6 Grad (am 30.) , wobei die tägliche Sonnenscheindauer in dieser Periode die grösste des ganzen Jahres war.
Juni 1990
Der Juni lässt sich mit Regenüberschuss, Sonnenscheindefizit und unter durchschnittlichlicher Mitteltemperatur charakterisieren. Vor allem die ersten beiden Juniwochen (mit Ausnahme des 1.) entsprachen dieser Charakterisierung. Termingerecht trat am 9./10. die berüchtigte Schafskälte ein und liess das Thermometer auf 7,0 Grad sinken. Im zweiten Teil des Monats wechselten zunächst sonnige und warme Tage mit Störungsdurchgängen ab. Man musste Glück haben, wenn man Anlässe trocken unter Dach bringen wollte. So war der Forstverwaltung Fortuna günstig gesinnt am Personalausflug (8.) und am Waldumgang (23.), als vorangehende Dauerregen Schlimmes befürchten liessen, sich dann aber alles zum Besten wendete! Mit dem ersten wolkenlosen und warmen Tag seit langem am 25. wurde eine sehr warme letzte Juniwoche eingeleitet mit Temperaturen am 26. bis 29,5 Grad. Leider beendigte schon am letzten Junitag eine Kaltfront das Muster eines schönen Sommers. Es war wohl noch warm, es fielen aber ergiebige Niederschläge, begleitet von einem heftigen abendlichen Gewitter, das in der Stadt wieder einmal den Strom ausfallen liess.
Juli 1990
Damit begann anfangs Juli das bange Fragen: "Wie wird's wohl am Maienzug sein?" Kühler, trüber und feuchter Monatsbeginn liess nichts Gutes erahnen. Mit der kräftigen westlichen Höhenströmung fiel das Thermometer immer mehr, und am Maienzug (6.) betrug die Temperatur am Bankett auf dem Schanzmätteli 16,6 Grad, abends noch 14,7 Grad, die Minimaltemperatur lag bei 7,4 Grad und am Nach-Maienzugstag sogar bei 5,4 Grad. Auf der Schanz schlüpften die Maienzügler abends in ihre Mäntel oder erwärmten sich beim Tanz, alle aber waren glücklich, dass das Schönwetterprogramm zur Ausführung kam, auch wenn die Sonne nur während 1,4 Stunden schien und die Tagesmitteltemperatur nur 13,5 Grad betrug, aber kein Regen fiel. (Entsprechende Zahlen vom Vorjahr, als man das Schlechtwetterprogramm durchführte: 5,4 Std. Sonne, 22,5 Grad, aber ab 21 Uhr Regen!). Die Wetterkommission hatte sich somit revanchiert! Dass es schon früher im Juli kalt war, zeigt eine Notiz aus dem Jahre 1948, als der 6. Juli mit 9,2 Grad als "zweitkältester Julitag seit 80 Jahren" festgehalten wurde. Dementsprechend kam dann damals 3 Tage später am Maienzug das Schlechtwetterprogramm zum Zuge! Nun, im Jahre 1990 setzte nach dem meteorologischen Fustritt ab 9. unter dem Einfluss eines sich in den Kontinent hinein ausdehnenden Azorenhoches eine hochsommerliche Periode ein. Vom 12. an bis zum Monatsende (ja sogar bis zum 5. August) überschritt das Thermometer ständig jeden Tag die 25-Grad-Grenze, es waren fünf Tropentage (Temperaturmaxima mindestens 30 Grad) zu verzeichnen, mit einem Höchstwert am 28. (34,4 Grad). Die starke Besonnung und die heissen Temperaturen hatten sehr hohe Ozonwerte zur Folge (175 mg/m3 am 23., in Chiasso 365 mg/m3).
August 1990
Im August setzte sich das hochsommerliche Wetter fort. Die Niederschlagsmengen machten wie schon im Juli nur 62% der Norm aus, die Sonne schien erneut mehr als ein Drittel länger als normal, und der Temperaturüberschuss betrug sogar 2,1 Grad. Ab 6. von Nordwesten einfliessende kühle Meeresluft brachte kurzfristig eine Abkühlung von gut 10 Grad. Aber vom 11. - 13. wurde die 30-Grad-Grenze bereits wieder überschritten. Ein Regentag am 14. mit 41 mm Niederschlägen (= 60% des Monatstotals) und starke Bewölkung liessen das Thermometer wieder sinken, bis zum Minimum von 7,4 Grad am 18., an dem der Planetenweg im Oberholz bei schönstem Wetter eingeweiht werden konnte. Noch einmal, nämlich am 24., stieg die Temperatur auf über 30 Grad an, so dass im August acht Tropentage zu verzeichnen waren (Vorjahr 3) . Nach einigen sonnigen und teilweise immer noch recht warmen Tagen wurde dann ein Polarluftvorstoss zu den Alpen gesteuert, der am Übergang zum meteorologischen Herbst, d.h. am 31., Niederschläge und einen kräftigen Temperatursturz auslöste.
September 1990
Auch der September war, wie seine beiden Vorgänger, von einem namhaften Niederschlagsdefizit geprägt. Punkto Temperatur lag er leicht unter der Norm. Er zeigte durchwegs veränderlichen Charakter, und es kam auch nicht zu einem ausgeprägten Altweibersommer, weil eine wirklich stationäre Antizyklone ausblieb. Es gab auch keinen Sommertag mehr, d.h. die 25-Grad-Grenze wurde nicht erreicht. Trotz der eher veränderlichen Witterung war aber der erste Herbstmonat sonniger als normal. Der Vorstoss einer atlantischen Antizyklone Richtung Mitteleuropa am 12. führte zu drei sonnigen und wärmeren Tagen. So wurde am 14. das Maximum von 24,1 Grad gemessen. Bis zum Monatsende wechselte bewölktes und sonniges Wetter ab, und am 28. wurde die tiefste Monatstemperatur von 3,7 Grad gemessen, obwohl es ein ganz sonniger Tag war. Im Rebberg machte die Reife der ortsbürgerlichen Reben im trockenen September rasche Fortschritte.
Oktober 1990
Der Oktober war ungewöhnlich warm (2,4 Grad über der Norm) und nass (vor allem die letzten vier Tage des Monats, die`mehr als die Hälfte zum Regen-Monatstotal beisteuerten). Bei einer 13-Uhr-Temperatur von 21 Grad (der Zweithöchsten im Oktober) und nur leichter Bewölkung wurden am 3. im Rebberg die Trauben geerntet. Anderntags regnete es bereits wieder stark. Dann aber blieben bis gegen Ende des Monats grössere Niederschläge aus, die Stadt lag am Morgen meistens im Nebel, dann aber hellte es jeweils am Nachmittag auf, und es herrschten unter Föhneinfluss milde Temperaturen - mit einem Maximum am 13. (23,9 Grad, also fast ein Sommertag Mitte Oktober!). Aber schon 10 Tage später war infolge eines Polarluftschubs die Tiefsttemperatur von + 0,2 Grad zu verzeichnen. Nach einer kurzen kräftigen Föhnpause (am 28. ganz klare Sicht in die Alpen) drang feuchtmilde Meeresluft in die Schweiz ein, wobei der Luftdruck auf den tiefsten Oktoberwert in diesem Jahrhundert sank und am 29. intensive Niederschläge einsetzten. Gleichzeitig kamen stürmische Herbstwinde auf, die aber im Wald keine nennenswerten Schäden verursachten. Unruhig und niederschlagsreich ging der Monat zu Ende.
November 1990
Der Beginn des November wurde dominiert von Polarluft und ausgeprägten Niederschlägen. Sukzessive sank das Thermometer bis am 7. auf -2,2 Grad (Monatstiefsttemperatur), unter hochnebelartiger Bewölkung blieb es kalt. Um die Monatsmitte liess ein nach Mitteleuropa vorstossender nordatlantischer Störungsausläufer die Temperatur wieder ansteigen, und am 17. wurden 14,5 Grad als Maximaltemperatur gemessen. In der letzten Monatsdekade setzten wieder kräftige Abkühlung und stärkere Niederschläge ein. Zeitweise war leichter Schneefall zu verzeichnen, mit Regen vermischt. Nassschnee verursachte am 23. im Wald auch einige Schneedruckschäden. So stürzten am Roggenhausenweg zwei grosse Buchen auf das Wildparkgehege und beschädigten den Zaun so stark, dass ein Hirsch entweichen konnte, der dann später abgeschossen werden musste. Während des ganzen Monats bestimmten überwiegende Tiefdruckgebiete das Wettergeschehen, so dass das Doppelte an Niederschlägen fiel als normal.
Dezember 1990
Dezember - wieder einmal ein richtiger Wintermonat mit Schneefall! Der recht frühe Wintereinbruch liess während drei Wochen eine ansehnliche Schneedecke liegen. Am 11. konnte am Kurt-Kim-Weg eine Schneehöhe von 21 cm gemessen werden, drei Tage später waren es bereits 31 cm. Allerdings herrschte nie extrem kaltes Wetter, obwohl der kälteste Tag des Jahres in diese Zeit fiel (-7,0 Grad am 7.). Im ganzen gesehen entsprach das Temperaturmittel der Norm. Die Sonne schien um die Hälfte länger als sonst, was allerdings noch keine hohen Absolutwerte bedeuten muss, da der Dezember im langjährigen Durchschnitt der sonnenärmste Monat des Jahres ist. Fast genau mit dem kürzesten Tag setzte sich eine mildere Westströmung durch und löste die alte Kaltluft ab. Diese Störungszone liess allmählich den Schneefall in Regen übergehen, und wieder einmal erlebte man das berüchtigte Weihnachtstauwetter. Bis zum Jahresende erreichten uns dann immer wieder neue Störungszonen, unterbrochen von stärkeren Aufhellungen wie am Stephanstag und am 28., als der Himmel blau war, und doch waren die restlichen Schneeflecken noch gefroren. Am zweitletzten Tag des Jahres stieg das Quecksilber auf das Monatsmaximum von +10,2 Grad, womit ein winterlich begonnener Monat ein mild temperiertes Ende fand und in gleicher Manier ins neue Jahr hinüberleitete.