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Wetter-Rückblende > Monatliche Wetterrückblende > 1990 - 1999
Januar 1994
Der Übergang zum neuen Jahr war infolge der Zufuhr von Meeresluft mild und schneelos, ja es regnete sogar in den ersten vier Tagen des Januar (40 mm). Die warmen Temperaturen blieben bis zur Monatsmitte erhalten, mit Kulmination am 13. mit 12.4 Grad über dem Gefrierpunkt! Nun, im Vorjahr zu gleicher Zeit, zeigte das Thermometer sogar +14.8 Grad! Auch 1988 gab es schon einmal einen solchen Höhepunkt von +13.0 Grad am 5. Januar. Und vor 58 Jahren, im Jahre 1936, war der Januar ebenfalls einer der wärmsten dieses Jahrhunderts. Das Thermometer sank damals nie tiefer als -3.2 Grad, und im Durchschnitt des ganzen Monats war es 4 Grad zu warm (Januar 1993 und 1994: 3.6 Grad zu warm). Es gab also auch früher schon warme Wintermonate! Aber im Gegensatz zu damals wiederholten sich in letzter Zeit die Erwärmungen innerhalb weniger Jahre. Auf den Jurakämmen (z.B. Geissfluh) war es um den 12. herum allerdings hochwinterlich, mit Raureif, Wind und tiefen Temperaturen. Der klimatische Unterschied zwischen Stadt und Jurahöhen war ausgesprochen frappant. Nach Monatsmitte erfolgte eine Umstellung der Strömungs-Verhältnisse, indem ein kräftiger Polarluftschub zu den Alpen gesteuert wurde, der dann in der Nacht zum 17. etwa 3 cm Nass-Schnee brachte. Die folgenden sechs Nächte wiesen Minustemperaturen bis -6.5 Grad auf, als Minimum dieses Monats. Zu Beginn der letzten Januarwoche zeichnete sich ein neuer Wetterumschlag ab. Schnee lag zu dieser Zeit auch im Jura nicht mehr. Wieder konnte nach dem Abbau der Hochdruckzone über Osteuropa milde Meeresluft nach Mitteleuropa eindringen, und es fiel erneut Regen (53 mm in fünf Tagen). lm Wald oberhalb des Rombachtälis waren stäubende Haselsträucher anzutreffen (am 27.), vorn auf dem Alpenzeiger war dank einer Föhnlage eine wunderbare Aussicht auf die Alpenkette. In der Sturmnacht vom 27./28. fiel den Naturelementen auch die grosse, über hundert Jahre alte Fichte (Rottanne) am Mittelweg im Oberholz (ca. hundert Meter nordwestlich des Brünnelis) zum Opfer, die die Förster bis jetzt immer geschont hatten. Es schneite dann nochmals ca. 2 cm in der Nacht auf den 29., und ein wolkenloser, kalter Morgen brach an. Der folgende Tag war ein Bilderbuch-Sonntag, wobei aber im nahen Jura der Schnee schon wieder verschwunden war. Die Sonne schien an diesem Tag 6.7 Stunden, und am Nachmittag war es +6.5 Grad warm. So klang der zweite Wintermonat mit drei sonnigen Tagen aus, welche so die viel zu hohen Niederschläge, hauptsächlich in Form von Regen statt Schnee, wieder etwas wett machten.
Februar 1994
Gerade richtig zum Beginn der Sportferien im Februar fiel wenigstens in den Bergen Schnee. In Aarau allerdings herrschten weiterhin frühlingshafte Temperaturen ohne Schnee, mit abwechselnden Föhnlagen. Es trieb am 4. die fischförmigen Föhnwolken bis weit über den Jurakamm hinaus nach Norden. Die Temperatur stieg auf über 11 Grad. Ein Schub kühler Meeresluft löste am 7./8. Regen aus. Am Morgen des 10. lag etwa 2 cm Nass-Schnee, der bald in "Pflotsch" überging. Die glücklichen Aarauer aber, welche sich in den Sportferien befanden, erlebten in den Winterkurorten allerdings nochmals eine Rückkehr des Winters. Alsbald setzte dann aber auch im Flachland eine markante Kälte ein, wobei die Tiefsttemperatur des Monats am 14. mit -5.8 Grad erreicht wurde. Der Wetterablauf wurde beherrscht von einem mächtigen Hochdruckgebiet über Nordosteuropa, das Kaltlufttropfen aus Osten gegen Mitteleuropa steuerte. Am Morgen war es jeweils einige Grad unter Null, es herrschte eine angenehme Kälteperiode, aber es lag kein Schnee mehr. Gegen Monatsende dominierte in zunehmendem Masse wieder Warmluftzufuhr aus Südwesten, und der letzte Tag des Monats war zugleich mit +12.7 Grad der wärmste. Der ganze Februar war sehr sonnenarm (nur 47 % der Norm), dennoch war er fast 2 Grad zu warm.
März 1994
lm März setzten sich die übernormalen Temperaturen fort. Der Monat war der wärmste (4.9 Grad über der Norm) seit den meteorologischen Aufzeichnungen vor 130 Jahren. Zwei sonnige Tage bescherten uns der 4. und 5., aber in der folgenden Nacht sank das Thermometer auf -2.1 Grad. Dann setzte sich der Hochdruckeinfluss wieder verstärkt durch, was zu einer viertägigen, für die Jahreszeit sehr warmen Periode führte, mit Spitzenwerten zwischen 15.2 und 18.4 Grad. Man stellt allgemein fest, dass seit 1988 der Frühling immer früher beginnt. Eine sage und schreibe 23tägige Periode, die im Durchschnitt viel zu warm war, ging nun zu Ende. Mit nordatlantischer Meeresluft am 17. traten wieder kältere Tage auf, doch fiel kein Schnee mehr, dagegen am 20. und 26. ausgiebiger Regen. Einen Tag zuvor wurde die höchste Temperatur des Monats gemessen (21.9 Grad), und dies bei prächtigem Sonnenschein, ein totaler Frühlingstag. Schon am 22. hatten sich ein paar Knospen im untern Kronenbereich der bekannten Buche am Goldern-Waldrand am Werner-Wehrli-Weg geöffnet, am 31. war ihre untere Kronenhälfte zu 70 % grün und die obere zu 10 %. lm Vorjahr war sie zu gleicher Zeit noch ganz kahl und begann erst am 16. April zu ergrünen. Die Knospen der Rosskastanien auf dem Kirchplatz und im Kasinogarten hatten sich am 18. entfaltet. Die Natur war ihrer normalen Entwicklung wegen der Wärmeüberschüsse seit Dezember 1993 drei Wochen voraus. Nach dem Monatsmaximum sank die Temperatur für ein paar Tage um rund zehn Grad. Es gab sogar den zweiten Nachtfrost in diesem Monat (-0.7 Grad am 27.) Dann verstärkte sich die Zyklonentätigkeit über dem Atlantik wieder, und die Westströmung führte erneut sehr milde Meeresluft nach Mitteleuropa, worauf die Quecksilbersäule am 30. auf 20.7 Grad stieg. Dieser Mittwoch vor Ostern weckte Hoffnungen auf warme Festtage. Doch der Wetterumschlag folgte schon am andern Tag.
April 1994
Am ersten Tag im April, dem Karfreitag, begann es um 11 Uhr zu regnen. Ein markanter Temperatursturz von 17 Grad war infolge eines Kaltluftvorstosses aus der Arktis programmiert. Am Ostermontag (4.) sank die Temperatur auf -1.6 Grad, die tiefste dieses Monats. Ostern war je nach Bodenbeschaffenheit (Wiese, Acker, Teerbelag) weiss oder eben auch nicht, am Ostermontag schneeschauerte es. Der traditionelle Waldarbeitstag am 9. lockte mit seinem Nass-Schneefall nur wenige Freiwillige in den Wald. Auch der Weisse Sonntag machte seinem Namen alle Ehre (10.). Der Vorsprung in der Naturentwicklung reduzierte sich. Die erwähnte frühaustreibende Goldern-Buche hatte vom Wärmeüberschuss im März noch profitiert und war nun am 14. ganz grün, während alle andern Buchen am Waldrand der Goldern noch kahl waren. Ein eigenartiges Bild, das über eine Woche lang beeindruckte! Bis fast zum Monatsende liess sich das Wettergeschehen auf folgenden Nenner bringen: kühl und viel Niederschläge (40 % mehr als normal). Ohne Sonne war die ganze zweite Monatsdekade. Ab 22. bis zum Monatsende nahmen die Sonnenscheindauer von neun auf zwölf Stunden und die maximalen Temperaturen von 18.3 auf 24.9 Grad zu. Die Pferdesportfreunde und -freundinnen kamen nach vorangegangenen lausigen Apriltagen am 24. zu einem der schönsten Renntage im Schachen. Der hohe Temperaturanstieg bis 25 Grad in den beiden letzten Apriltagen hatte zur Folge, dass die Abweichung vom langjährigen Temperaturmittel nur -0.6 Grad betrug. Der April wurde zum einzigen unternormal temperierten Monat des Jahres 1994. Er war auch zu nass und sonnenarm.
Mai 1994
In den ersten Tagen des Mai setzte sich das leidlich gute Wetter der beiden letzten Apriltage fort. Es waren zwar nicht gerade die wonnigen Maientage, aber man war ja vom April her nicht verwöhnt! Am 3. wurde mit +4.6 Grad die tiefste Maitemperatur verzeichnet. Dieser Schub kühler Luft brachte auch noch zwei trübe Tage mit etwas Niederschlag (4. und 5.), doch alsbald bewirkte ein Vorstoss des Azorenhochs wieder einen sonnigen, sehr klaren und warmen Tag (7.). Mittags um 13 Uhr war es 19.1 Grad warm. Dieser Temperaturstand wurde erst wieder am 15. übertroffen, und am 16. verzeichnete man sogar 24.5 Grad. Wegen der starken Bewölkung kam es nicht zu den gefürchteten Nachtfrösten der Eisheiligen (12. bis 15.). Es herrschte ein veränderlicher Witterungscharakter vor. Störungszonen mit schwachen Niederschlägen wechselten mit sonnigen und warmen Föhnphasen ab, bis dann ab 18., abends, ein sintflutartiger Dauerregen unsere Gegend heimsuchte. Innert 18 Stunden fielen in Aarau 102 mm Regen. Dies war bedeutend mehr als normalerweise während des ganzen Monats Mai fällt. Infolge dieses Jahrhundertregens wurden in der Telli wieder Keller überschwemmt, und der alte Aarelauf schwoll derart an, dass auch der Frey-Kanal nicht mehr abfliessen konnte. Die Autobahn südlich von Aarau verwandelte sich bei Gränichen in einen See. lm Hungerberg sind an der Meyer'schen-Promenade infolge des Regens auch einige der dicken, alten Eichen umgeworfen worden, die schon Xaver Meisel in seinem ersten Waldwirtschaftsplan von 1862 als markante, erhaltenswerte Bäume bezeichnet hatte. Nach einer kurzen Wetterberuhigung fielen in der Nacht zum 22. nochmals 21 mm Regen. Für den Rest des Monats blieb es regnerisch, mit Ausnahme des letzten Tages, als sich der antizyklonale Einfluss mit Aufheiterung und steigender Temperatur voll durchsetzte. lm allgemeinen aber war es ein garstiger Mai, sonnenarm (78 % der Norm) und mit 232 mm Regen sehr nass (Norm = 92 mm). So gab es auch im ganzen Frühling (März, April, Mai) zu wenig Sonne, zu viel Niederschläge und eine Temperaturdifferenz gegenüber der Norm von +0.6 Grad. Die Bauern hatten mit der Heuernte Mühe und konnten sich schon fragen, ob sie nicht eher Reis anpflanzen sollten!
Juni 1994
Nun lagen alle Hoffnungen für gutes Wetter auf dem Juni. Er darf tatsächlich als warm (1.3 Grad wärmer als normal), trocken (nur 73 % der normalen Niederschläge) und überwiegend sonnig eingestuft werden. Der 1., als das Thermometer von 12 Grad am Morgen auf 28.9 Grad am Nachmittag anstieg, kam einem geradezu heiss vor. Es war die dritthöchste Temperatur des ganzen Monats, aber es stand uns ja noch die Schafskälte bevor. Und tatsächlich kam nach der kurzen Visite des Sommers der Rückschlag in mehreren Stufen. Die plötzliche Abkühlung nach dem ersten Sommertag wurde doppelt schwer empfunden. Anlässe am ersten Juni-Samstag (5.) litten unter Kälte und Regen. Das Thermometer pendelte tagsüber lediglich um 11 Grad. Am 6. wurde die tiefste Temperatur des Monats gemessen (4.7 Grad). An diesem Abend war Sommergmeind der Ortsbürger im Festzelt im Roggenhausen. Winterkleidung war gefragt, bei einer Aussentemperatur um 20 Uhr von 14 Grad. Eine kleine Hochdruckzelle liess das Thermometer am 8. wieder beträchtlich auf 26.5 Grad ansteigen. Doch erhielt die sommerliche Entwicklung, die sich da anzubahnen schien, nochmals einen empfindlichen Dämpfer. Die erste Monatshälfte war so ein Wechselbad von warm und kalt. Der Waldumgang der Ortsbürger (am 11.) fand bei mageren 12 Grad am Nachmittag statt und wurde schliesslich noch verregnet. Dann aber wurde die kalte Luft in den hohen Norden zurückgedrängt, und der Sommer begann langsam so richtig anzulaufen. Das strahlende Hochdruckwetter hielt mit ganz kurzen Unterbrüchen bis über das Monatsende hinaus an. In den letzten Wochen des Juni gab es 11 Sommertage, d.h. das Tagesmaximum betrug mehr als 25 Grad. Das Freiluft-Musical "My Fair Lady" im Reiterstadion Schachen, das am 18. Premiere hatte, war während der ganzen Spielzeit bis 14. August (ohne Juli) von Wetterglück begünstigt. Beinahe hätte sich der letzte Junitag noch zu einem Hitzetag durchgemausert. Sein Tagesmaximum lag nur unwesentlich unter 30 Grad. Es war der Vorabend des Maienzugs. Mit einer 19-Uhr-Temperatur von 27.4 Grad war es der wärmste Abend seit 29. Juli 1993.
Juli 1994
Der Juli zeichnete sich durch anhaltend hochsommerliches Wetter aus, bedingt durch flache Hochdruckgebiete über dem Kontinent, welche eine durchgehende Westströmung mit Zufuhr kühler Meeresluft unterbanden. Es wurden in diesem Monat 26 Sommertage (25 und mehr Grad Temperaturmaximum) gezählt, dies sind mehr als doppelt so viel wie üblich. Zudem wurden 15 Hitzetage (30 und mehr Grad Tagesmaximum) verzeichnet. Als Höchstwert wurden 33.4 Grad am 3. gemessen. Der Maienzug (am 1.) war mit einer Nachmittagstemperatur von 31.0 Grad ebenfalls ein heisser Tag, sicher einer der heissesten Maienzugstage dieses Jahrhunderts, war doch der ganze Juli nach 1983 der zweitwärmste seit 1860. Trotz der andauernd hohen Temperatur gab es nur wenig Wärmegewitter (am 4. und 5.). Hagel fiel am 4. und am 18. nachmittags. An diesem und an den folgenden Tagen kam es denn auch zu 23, bzw. 46 mm Niederschläge gewittriger Natur. Es fielen während des ganzen Monats nur 60 % der normalen Niederschlagsmenge.
August 1994
lm August war es die erste Dekade, die infolge einer Südwestlage mit sehr warmer Subtropikluft zur eigentlichen Hitzeperiode dieses extrem warmen Sommers wurde. Zwar war gerade der Bundesfeiertag infolge vorübergehend kühlerer Meeresluft aus dem Ostatlantik etwas regnerisch und untertemperiert. Es war einer der acht Tage des Monats, an denen das Thermometer nur wenig über 22 Grad stieg. Die Bundesfeier im Schachen über Mittag fand bei 22 Grad statt. Abends lagen sogar Nebelschwaden über der Stadt, die relative Luftfeuchtigkeit betrug 93 %. Diese war seit dem 18. Mai (Jahrhunderthochwasser!) nie mehr so hoch. Der Unterbruch der Hitze war aber nur von kurzer Dauer. Wieder begann sehr warme Subtropikluft nach Mitteleuropa zu fliessen und liess am 5. die Quecksilbersäule auf stolze 34.5 Grad steigen (Maximum des Jahres!). Einem Gewittertief folgte ein Schub Polarluft, und bis Mitte des Monats sank die Temperatur bis auf 9.3 Grad herunter. An der Derniere von "My Fair Lady" war es schon kühl (zwischen 14 bis 19 Grad). Es blieb zunächst im Bereich einer westlichen Höhenströmung veränderlich und kühl. Am 17. regnete es 22 mm. Vom 20. bis 23. entwickelte sich dank einer südwestlichen Höhenströmung nochmals eine hochsommerliche Phase. In diese heisse Periode fiel auch der Frauen-Waldumgang (am 20.), wobei im ortsbürgerlichen Rebberg in Herznach glücklicherweise für genügend Durstlöscher gesorgt war. Die letzte Augustwoche war veränderlich, die Mittagstemperaturen bewegten sich zwischen 18 und 25 Grad. Sonnige Tage wechselten mit bewölkten Abschnitten ab, und am Ende dieses dritten Sommermonats war jedermann einhellig der Auffassung: "Es war ein herrlicher Sommer!“. Er erreichte temperaturmässig den ebenfalls sehr heissen Sommer 1947.
September 1994
Der September zeichnete sich durch ausgeprägt variable Wetterlagen aus. Es fiel ein Drittel mehr Niederschlag als normal, und das Sonnendefizit betrug 37 %. Dennoch lag das Temperaturmittel noch etwas höher als die Norm. Nach dem wärmsten Tag (6. mit 25.5 Grad Maximaltemperatur) stiess zwei Tage später ein kräftiger Schub frischer Meeresluft nach Mitteleuropa vor, liess das Thermometer auf 11 Grad fallen und löste auch starke Niederschläge aus (am 8. 19 mm). Das Wetter blieb unbeständig und kühl. Am 18. (Bettag) sank die Temperatur sogar auf 2.7 Grad, und es wurde auch tagsüber nie wärmer als 10 Grad. In den Bergen vollzog sich der erste Wintereinbruch (Schnee bis auf 1500 m herunter). Sukzessive wurde es nun wieder wärmer, und am stimmungsvollen Bachfischetabend war es unter starkem Föhneinfluss 20 Grad warm. Es war die zweithöchste 19-Uhr-Temperatur des Monats. Wieder, wie schon am Maienzug, hatten die Aarauer mit einem ihrer traditionellen Feste Wetterglück. Bis zum Monatsende sank die Temperatur gleichmässig bis gegen 14 Grad herunter. Der 26. war ein regnerischer Tag, und darauf bescherte uns eine flache Hochdruckzone nebliges, aber trockenes Wetter. An den Nachmittagen wurde es teilweise wieder sonnig, so auch am Tage der Weinlese im Aarauer Rebberg in Herznach (am 29.). lm allgemeinen war der September nass und kalt.
Oktober 1994
Anders der Oktober - er war herrlich. An den beiden ersten Tagen war es sehr warm. Der MAG konnte wieder einmal mehr oder weniger trocken abgewickelt werden. Der Sonntag (2.) war sogar der wärmste Oktobertag überhaupt (22.2 Grad). Doch dann folgten mit dem Regen (am 3.) kühlere Tage, mit der ersten Temperatur knapp unter dem Gefrierpunkt (-0.2 Grad am 7.). Bereits verfärbten sich Buchen- und Rosskastanienblätter - 14 Tage früher als normal. Ein früher Herbstbeginn war angesagt. Während 18 Tagen regnete es nun in der Folge nie, es gab hie und da Morgennebel, und die Temperatur stieg nie mehr höher als 19 Grad. Vom 23. an begann eine neue Wetterentwicklung. Südwestwinde mit feuchten Luftmassen waren eine Woche lang aktiv. Drei Viertel aller Niederschläge im Oktober fielen in diese Zeit (42 mm). lm übrigen war aber der Oktober niederschlagsarm (73 % der Norm), obwohl es 13 Regentage gab (6 davon allerdings mit weniger als je 1 mm und erst noch vor allem nachts). Am letzten Tag machte die Quecksilbersäule dank hochtemperierten Südwestwinden nochmals einen Sprung nach oben, nämlich auf 20.1 Grad. Es war ein strahlend schöner und extrem warmer Herbsttag, mit einer Nachmittagstemperatur, wie sie seit dem 2. nie mehr vorgekommen war. Gesamthaft gesehen war der Oktober 0.9 Grad wärmer als die Norm. Er beschenkte uns auch mit viel Sonne (ein Drittel mehr Sonnenschein als normal).
November 1994
lm November bewirkte die ständige Zufuhr oder auch Stagnation sehr milder, teilweise auch sehr feuchter Luftmassen einen Wärmerekord. Es war der wärmste November seit mindestens 130 Jahren und übertraf so das bisherige November-Maximum von 1963. Es gab aber auch sehr viele trübe Tage, nämlich 26 (Tage mit mehr als 80 % Bewölkung), was ebenfalls einen Rekord darstellte, den nur der Januar mit 25 Tagen knapp erreicht hatte. Der schon normalerweise trübe letzte Herbstmonat mit einer durchschnittlichen Sonnenscheindauer von 38 Stunden, brachte es diesmal nur auf 12 Stunden - ein rekordverdächtiges Sonnenscheindefizit absolut für Aarau, aber auch im Vergleich mit der gesamten Schweiz im Jahre 1994. Zum Glück war er trocken, d.h. es wurde nicht einmal die Hälfte der normalen Niederschlagsmenge erreicht, was sonst in keinem andern Monat der Fall war. Die alte Regel, wonach auf einen trockenen Oktober ein nasser November folge und umgekehrt, stimmte diesmal nicht! Die sonst berüchtigten und gefürchteten Novemberstürme blieben glücklicherweise aus. Nur kurz nach Monatsmitte, als am 15. die höchste November-Temperatur von 13.6 Grad gemessen wurde, stürmte es kräftig, jedoch ohne dass im Wald nennenswerte Schäden angerichtet worden wären. In diese Zeit fiel auch der sonnenreichste Tag (17.) mit knapp sechs Stunden Sonnenschein. Danach dominierte Hochdruckeinfluss die Witterung. Die vorher eingeflossenen milden Luftmassen blieben aber unter überwiegend antizyklonalem Einfluss fast bis zum Monatsende liegen, so dass die Temperaturen weiterhin relativ hoch blieben, wie sie überhaupt während des ganzen Monats nie unter die Nullgradgrenze sanken. Es gab demzufolge auch keinen Schnee. Normalerweise kommt es in der zweiten Novemberhälfte zur ersten Schneedecke - auch wenn sie nur minim ist, wie z.B. letztes Jahr an einem einzigen Tag (3 cm). Es bildete sich nun über dem Mittelland die verrufene zähe Hochnebeldecke, und dennoch gab es Temperaturspitzen bis 12 Grad (am 25.). Wer zu dieser Zeit die nahen Juragipfel besuchte (Geissfluh, Rohrerplatte, Wasserfluh) stiess oberhalb 800 m auf prächtigen Sonnenschein. Der diesjährige Herbst (September, Oktober, November) war zwar viel zu warm (Temperaturüberschuss von 1.9 Grad), doch war der Herbst 1987 noch wärmer (Überschuss 2.4 Grad).
Dezember 1994
Auch der Dezember war zu warm. Die Zufuhr milder Meeresluft setzte sich auch in den ersten Wintermonat hinein fort, zeitweise durch antizyklonal dominierte Lagen mit unterschiedlich temperierten Luftmassen unterbrochen. So waren die ersten drei Tage unter Hochdruckeinfluss trocken, aber schon setzte sich wieder eine atlantische Westströmung mit sehr milden Temperaturen durch. Die relativ hohen Temperaturen bewirkten, dass es eben nicht schneite, sondern regnete (ausgiebig am 9.). Zwar gab es auch kühlere Tage, in der Regel aber war es doch mild. In der Warmluft stiess am 11. (Dezember-Temperaturmaximum von 13.3 Grad) eine kräftige Hochdruckzelle nach Mitteleuropa vor und bescherte uns drei relativ sonnige Tage mit Sonnenscheindauer von 2.5 bis 3.2 Stunden pro Tag. Am 13. verschwanden im Laufe des Nachmittags sämtliche Wolken, und es ergab sich das einzigartige Bild, dass nach 16 Uhr ein leuchtender zunehmender Halbmond hoch oben am wolkenlosen Osthimmel zu sehen war. Unter Hochdruckeinfluss blieben nachher vier Tage sehr sonnig (total 18 Stunden). Dies war mehr als die Hälfte der gesamten Dezember-Sonnenscheindauer. In den Bergen fiel am 20./21. der lang ersehnte Schnee (auch im Jura, z.B. auf der Barmelweid, gab es ein paar Zentimeter), aber im Flachland blieb er aus, weil es immer zu warm war. Dennoch ereigneten sich am 21. einige Glatteisunfälle auf der N 1 bei Aarau. Erst am 24. fiel die Temperatur merklich unter Null (-2.8 Grad als tiefste Dezember-Temperatur), verursacht durch eine Bisenströmung. Der Weihnachtstag war ebenfalls kalt und trübe, man wartete auf Schnee. Aber schon traf wieder ein Wetterumsturz warmen Charakters ein, und am 27. und 28. fielen 37 mm Regen. Ein kleines Zwischenhoch brachte am 29. noch einige sonnige Stunden. Die Stadt lag den ganzen Nachmittag in der Sonne, während im Jura drüben Nebelschwaden gespenstisch um die Gipfel zogen. Erneut lösten sehr feuchte Meeresluftmassen Niederschläge in Form von Regen aus (18 mm am 30.). Dank einer kurzen Kaltfront sank die Schneefallgrenze gegen 600 m ab, aber das reichte eben nicht, um auch in Aarau Wintersportfreuden zu geniessen! Am Sylvestermorgen erstrahlte über dem Jurakamm blauer Himmel, die bewaldeten Hänge waren braun und nur die höher gelegenen Fluren wie Burgmatte, Schafmatt und Stockmatt zeigten ein weisses Kleid. lm Laufe des Tages wechselten Sonnenschein und Bewölkung ab, und die Hoffnung, dass es in diesem Jahr noch Schnee geben würde, war verflogen. Noch ahnte man nicht, dass mit Jahresbeginn 1995 endlich auch der Winter Einkehr halten würde.