Aarauer Wetter Rückblende

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1995

Wetter-Rückblende > Monatliche Wetterrückblende > 1990 - 1999

Januar 1995

Eine kalte und eine warme Hälfte. Stürmische Westwinde. Wieder ein Jahresbeginn ohne Schnee! Die schweren nassen Schneeflocken schmelzen auf dem Boden sofort. Aber schon in der Nacht zum Bärzelistag wird es infolge arktischer Kaltluft wieder kälter. Es fällt Schnee. Schliesslich sind es 15 cm (am 3.). Eine kräftige Bisenströmung lässt das Thermometer auf den tiefsten Wert des Berichtsjahres von -14.0 Grad sinken (am 6.). Die Schneedecke bleibt bis zum 20. erhalten, obwohl es am 10. kräftig regnet. Aber am 13. erleben wir einen schönen Wintertag mit blauem Himmel und 5 cm Schnee. Auch am nachfolgenden Sonntag (15.), einem herrlichen Wintertag, wird allerorten Wintersport getrieben, und auch am 19. kann man einen heiteren Nachmittag und Abend geniessen mit Temperaturen um 5 Grad. Unter-Null-Temperaturen erscheinen bis am 21., worauf Westwindwetter eine andauernde Niederschlagsperiode bis zum Monatsende einleitet. Ein orkanartiges Auffrischen der Westwinde in der Nacht zum 23. führt nun schnell warme Meeresluft heran, sodass das Thermometer das Januar-Maximum von 11.0 Grad erreicht. Wieder setzen ergiebige Niederschläge in Form von Regen ein (36 mm am 25.). Die stürmische Entwicklung mit kurzen, aber heftigen Sturmböen hält an, weswegen die SBB zwischen Zürich und Aarau am Abend grosse Verspätungen bis zu eineinhalb Stunden in Kauf nehmen müssen (am 26.). Schliess- lich bringt uns ein Ausläufer des Azorenhochs nach einer Frostnacht (der ersten seit zehn Tagen) einen sonnigen letzten Januartag. Der Monat hat uns einen grossen Niederschlagsüberschuss beschert. Es war einer der nassesten Januare des Jahrhunderts (mehr als die doppelte Normalmenge).


Februar 1995

Warm ( 5 Grad zu warm, Februar 1990 war noch wärmer!) und nass. Der Winter hat sich seit vielen Jahren immer mehr in die Frühlings- monate verschoben. Der bescheidene Schneefall in der ersten Januarhälfte ist wirklich nur eine „Eintagsfliege“ gewesen. Denn jetzt hält die kontinuierliche Zufuhr von Meeresluft an. Gelegent- lich bringt Hochdruckeinfluss sehr schöne, wolkenlose Tage, so am 1., 7. und 21. Die Sonne scheint an diesen Tagen je sieben Stunden. Am 21. steigt die Temperatur sogar auf 15.4 Grad, nachdem sie drei Tage vorher noch bei Null gelegen hatte. Wir erleben ein Wechselbad von kalt und warm, Regen, Schneegraupel und Sonne. Das Wetter ist richtiggehend "wetterwendisch". Die Natur ist dem Normalstand um zwei bis drei Wochen voraus, obwohl gelegent- lich geringe Mengen Nass-Schnee fallen (um den 18. und am 24.). Eine eigentliche Kälteperiode aber fehlt. Die Augen tränen der Erlen- und Haselpollen wegen und nicht wegen der Kälte! Erst am Monatsende bringt ein Ausläufer des Azorenhochs die tiefste Monatstemperatur von -2.5 Grad. Auf dem Plateau des Küttiger Hombergs blühen die ersten Taubenknöpfe.


März 1995

Sehr wechselhaftes vorgezogenes "Aprilwetter", sehr nass. Winter- rückfall am Monatsende. Zu Beginn des ersten Frühlingsmonats meldet sich der Winter nach anfänglich milder Witterung (am 2. bis 10.2 Grad) zurück. Am Morgen des 4. liegt ein wenig Schnee, der aber bis Mittag dahinschmilzt. In der im Bereich eines kleinen Zwischenhochs folgenden kalten Nacht sinkt die Temperatur auf - 4.8 Grad, ein Wert, wie er seit Mitte Januar nicht mehr gemessen worden ist. Unruhige Witterung hält bis am Ende der ersten März- Dekade an. Dann bestimmt ein Hoch über Nordosteuropa für vier Tage unser Wetter, voller Sonnenschein, mild (am 12. bis 15.6 Grad). In der Nacht zum 15. wird aber der Frühling abgewürgt. Mit einem Zentraltief vom Nordatlantik, nach Osten ziehend, werden nun wieder ausgiebige Niederschläge ausgelöst (27 mm innert 24 Stunden am 19.). Zum astronomischen Frühlingsanfang gibt es nochmals Schnee, denn genau zu diesem Zeitpunkt erreicht uns Kaltluft aus Norden. Aber wie heisst es schon: „Märzenschnee tut nicht mehr Weh!“. Gelegentliche Schneeflocken begleiten uns bis zum Monats- ende, wobei der Schnee jeweils nur kurze Zeit liegen bleibt. Eine Hochdruckzone, von der Biskaya über Mitteleuropa wandernd, be- stimmt das Wetter für einige Tage mit zunehmend frühlingshaftem Charakter, aber immer noch kalten Nächten (22. bis 25., tagsüber bis 17 Grad, nachts bis -3 Grad). Die kalten Nächte bewirken, dass im nahen Jura die Schneedecke erhalten bleibt, 15- 20 cm hoch. Als Folge der Winde entstehen sogar Schneeverwehungen bis zu 70 cm Höhe. Am 27., gerade zu Beginn der offiziell festgelegten Sommerzeit, erfolgt ein eigentlicher Wettersturz: Es wird kalt und stürmisch, mit Hagel um 16 Uhr und Gewittersturm um 21 Uhr. In den Gärten ist es um 23 h weiss. Am Monatsende ist die tiefste Temperatur des März erreicht, nämlich der für diese Jahreszeit seltene Wert von -5.1 Grad. Es liegt wieder Schnee auf den Strassen. Dennoch ist die Vegetationsentwicklung etwa vierzehn Tage im Vorsprung. Blätter (5 cm lang) und soeben sich öffnende Blütenstände der Rosskastanien auf dem Kirchplatz und im Kasinogarten erleiden aber keine Frostschäden. Auch die als pünktlich geltenden Rauchschwalben sind schon Mitte März aus ihren Winterplätzen zurückgekehrt (normal erst Ende März).


April 1995

Etwas zu warm. Echtes Aprilwetter. Grosse Temperaturschwankungen von 21.9 Grad (am 4.) bis -0.7 Grad (am 9.). Eine über West- und Südeuropa liegende Hochdruckzone beschert uns in der ersten Aprilwoche sonniges und recht warmes Frühlingswetter. Die ersten Gartenstühle werden hervorgeholt. Die Temperatur erreicht fast 22 Grad. Der phänologische Referenzbaum am Goldernwaldrand, eine Rotbuche, beginnt am 6. auszutreiben, was einem mittleren Datum der letzten sieben Jahre entspricht. Im Vorjahr war der Austrieb allerdings vierzehn Tage früher. Am 12. ist der Baum total begrünt, seine Nachbarn sind noch kahl. Es ist immer noch recht kühl, was man nach der Wärme zu Monatsbeginn umso stärker empfindet. An Ostern (16.) regnet es leicht, es ist kalt, und der Vollmond hat sich im Laufe der Osternacht hinter Wolken verzogen. Am 18. wird ein eigentlicher Wetterumsturz eingeleitet, die Temperatur sinkt, und es ist regnerisch. Allmählich beruhigt sich die Wetterlage wieder, es fällt hie und da zwar noch Regen, doch die Temperaturen nehmen bis gegen Monatsende zu (20.6 Grad am 29.), sind aber immer noch tiefer als zu Monatsanfang. Am 27. ist zwischen 19 und 20 Uhr noch ein Gewitter zu verzeichnen.


Mai 1995

Gewaltiger Regenüberschuss, wiederum starke Temperaturschwankungen zwischen 26.3 Grad (am 6.) und 0.2 Grad (am 15.). Keine Nacht- fröste (bereits zum dritten Mal hintereinander). Vier Sommertage mit über 25 Grad. Nehmen wir es vorweg: Die Eisheiligen machen ihrem Namen alle Ehre ( 12. bis 15.). Das "Grabe-Fescht" leidet unter Kälte und Regen. Die "Kalte Sophie" am 15. bringt es auf die Mai-Minimaltemperatur von 0.2 Grad. Demgegenüber beginnt aber der Monat unter Hochdruckeinfluss mit sonnigem Frühlingswetter, mit einer Temperaturspitze am 6. (26.3 Grad!). Ein richtiger Wonnemonat scheint sich anzubahnen. Die Natur zeigt frisches, saftiges Grün. Aber ab 8. ist dann der Wetterablauf bereits wieder weitgehend tiefdruckbestimmt, mit Regen und Abkühlung bis am 19. Es folgt nochmals eine Woche mit hohen Temperaturen und geringer Bewölkung. Die Ausflügler am Auffahrtstag (25.) können die sommerliche Temperatur von 26.1 Grad geniessen. Aber wie eine Faust aufs Auge kühlt es am folgenden Tag um rund zehn Grad ab, es regnet. Die Temperaturen bis Monatsende sind schwankend, die Niederschläge in den letzten drei Tagen sind ergiebig (116 mm) und übertreffen sogar bei weitem den Durchschnittswert des ganzen Monats (92 mm). Der langanhaltende Starkregen wird durch unge- wöhnlich warme Luft aus Südosten ausgelöst, welche auf die Kalt- luft aus Nordwesten aufgleitet. Die ausgeprägte Schlechtwetter- phase wird bis in den Juni hinein reichen.


Juni 1995

Schlechtwettermonat. Zu kühl, trotz erstem Tropentag des Jahres am 30. mit 30.5 Grad. Ausgedehnte "Schafskälte" (um den 10. bis 14.). Es scheint, als ob sich die "Eisheiligen" und die "Schafskälte" nahtlos aneinander gereiht hätten! Dies ist so der allgemeine Eindruck, und man jammert noch Mitte Juni über das kühle und reg- nerische Wetter. Es geht also im gleichen Trott weiter wie im Mai. In den Familiengärten breitet sich die Schneckenplage aus. Sich weit nach Norden ausbreitende Hochdruckgebiete führen auf ihrer Ostflanke immer wieder Polarluft zum Kontinent. Die Pfingsttage (5., 6.) sind nass und kühl, vor allem der Montag. Wer kann, stellt die Heizung nochmals an. Schliesslich fällt die Temperatur am 10. auf 5.3 Grad ab. Normalerweise ist es vor der “Schafskälte“ warm, doch dieses Jahr litt ganz einfach die ganze erste Monatshälfte unter starker Abkühlung und Niederschlägen. Die Sommergmeind der Ortsbürger am 12. findet am kältesten Abend des Juni im Zelt im Roggenhausen statt, bei einer Aussen- temperatur von 11 Grad. Im Vorjahr war es immerhin 3 Grad wärmer! Hernach bringen Ausläufer des Azorenhochs Aufheiterung und Erwärmung, und tatsächlich ist am 15. frühmorgens am Osthimmel wieder einmal ein helles Gebilde zu sehen, ein seltener Gast seit langem, Sonne genannt. Das "Hochwasser" in der Telli am gleichen Morgen ist allerdings nicht auf meteorologische Verhältnisse zurückzu- führen! Der ortsbürgerliche Waldumgang auf die Hohliebi ob Schloss- rued (am 17.) findet bei Sonnenschein statt und bei einer 13-Uhr- Temperatur, wie sie seit fast drei Wochen nie mehr zu verzeichnen war (21.1 Grad). Am 19. und 20. ist immer noch T-Shirt-Wetter. Eine von der Biskaya nach Osten ziehende Hochdruckzelle macht‘s möglich, dass am 20. fast ein Tropentag zu verzeichnen ist. Am astronomischen Sommeranfang wecken uns starke Gewitter mit er- giebigem Regen. Während den zehn restlichen Tagen des Juni ist die Wetterpalette breit: zuerst ist es unter Biseneinfluss trüb und kalt, hernach sonnig und warm, und am letzten Nachmittag des Juni klettert das Quecksilber sogar auf 30.5 Grad, womit der erste von dreizehn Tropentagen im Sommer 1995 notiert werden kann. (Im Sommer 1994 waren es sogar 21, 1993 aber nur 5 Tropentage). Gleichzeitig steigt der Ozonwert markant an.


Juli 1995

Traumwetter. Ausgeprägte Schönwetter- und Hitzeperiode. 25 Sommer- tage (über 25 Grad). 3.5 Grad zu warm. Gehört zu den wärmsten Juli dieses Jahrhunderts (wie 1983 und 1994). Nur ein Drittel der normalen Regenmenge. Eigentlich sind es nur zwei Schübe von kühler Meeresluft aus Westen, die das hochsommerliche Wetter kurz unterbrechen. Die weltweite Sommerhitzewelle macht auch vor Aarau nicht halt. Der Maienzug am 7. bleibt als wolkenloser, heisser Tag in Erinnerung (26 Grad am Nachmittag), obwohl gerade in der Nacht zum Festtag die tiefste Monatstemperatur von 12.3 Grad gemessen wird. Zum Ferienbeginn beglücken uns nun fünf Tage mit vollem Sonnenschein und Temperaturen über 30 Grad (=Tropentage). Am 16. steuert eine zwischen Island und Schottland liegende atlan- tische Zyklone mit einer westlichen Höhenströmung kühle Meeresluft herbei, verbreitet Abkühlung und löst Regen aus (22 mm vom 13. bis 16.). Aber schon ist wieder das Azorenhoch da, bringt sonniges Wetter und die maximale Juli-Temperatur von 35.2 Grad am 21. Der heisseste Julitag im Vorjahr brachte es auf lediglich 33.4 Grad. Am 22., einem Samstag nach wunderbaren Tagen, fallen viele vorge- sehene Gartenfeste buchstäblich ins Wasser, weil es nämlich um 18 Uhr zu regen beginnt, was niemand erwartet hat. Der Spuk ist allerdings nur von kurzer Dauer, aber immerhin ist die Temperatur von 13 bis 19 Uhr um mehr als zehn Grad gesunken, was ausserge- wöhnlich ist. Erstaunlicherweise mutet nur drei Tage später das Wetter infolge einer durch eine kräftige Bisenströmung verur- sachten dicken Hochnebelschicht recht herbstlich an. Aber schon am 26. erreicht die Quecksilbersäule wieder 33.0 Grad. Gelegentliche nächtliche Wärmegewitter vermögen den hohen Temperaturen bis zum Monatsende nichts anzuhaben. Es bleibt schön und wolkenlos. Als Resultat dieses prächtigen Sommermonats ergibt sich eine Sonnen- scheindauer, die 28% höher liegt als die Norm (257 Stunden statt 201 Stunden).


August 1995

Zuerst Hochsommerwetter, dann veränderlich und nass, am Ende kalt. Der eigentliche Hochsommer, der in der letzten Juni-Woche begonnen hat, geht in der ersten Augustwoche zu Ende. Er hat also etwa sechs Wochen gedauert, und wir dürfen zufrieden sein. Am 5. wird die höchste August-Temperatur verzeichnet, nämlich 31.6 Grad, was übrigens auch der höchste Wert aller Mess-Stationen in der Schweiz ist! Dann aber kühlt es merklich ab und beginnt zu reg- nen. Es sind vor allem nächtliche gewittrige Regengüsse (in zwei Nächten je 27, bzw. 24 Liter pro Quadratmeter). Die Vollmondnacht vom 10./11. ist wieder hell und klar. Es wird aber nie mehr richtig warm, und eine gelegentliche Hochnebeldecke ist bereits Vorbote des Herbsts. Es entladen sich denn auch aus der instabil geschichteten Luft gewittrige Schauer. Während einer ganzen Woche (15. bis 22.) ist es schön, wenn auch gelegentlich wegen der Bise etwas kühl. In diese Zeit fällt auch der Familien- Waldumgang (19.), an einem wolkenlosen Tag mit einer Nachmittags- temperatur von 27.4 Grad und einer Wespenplage beim Zobig. Ab 24. beschleunigt sich der bis anhin eher träge Wetterablauf. Die Westströmung feuchter Meeresluft löst Niederschläge aus, und in der Nacht zum 28. fallen 25 mm Regen. Polarluft bewirkt alsdann einen markanten Temperatursturz. Der Sommer geht zu Ende. In den Bergen fällt Schnee. Im Fernsehen zeigt "Schweiz aktuell" am 28. eine total verschneite Belalp im Wallis. Es ergeben sich Schneehöhen in den Winterkurorten, wie sie im August in diesem Jahrhundert noch nie gemessen worden sind! Die Polarluftzufuhr dauert bis zum Monatsende an. Am letzten Tag wird die Minimaltem- peratur von 8.2 Grad erreicht.


September 1995

Zu kühl, zu wenig Sonne. Kein einziger Sommertag (nie über 25 Grad). Im warmen September 1991 gab es 13 Sommertage! Bodenfrost am letzten Tag. Kein Altweibersommer. Mit einem massiven Kaltluft- einbruch hat sich der astronomische Sommer verabschiedet. Nun hält der wechselhafte Witterungscharakter mit wenig Sonne und häufigen Niederschlägen an. Gelegentlich bringen schwache Zwischen- hochs sonnige und warme Tage, so am 6. mit 16.0 Grad um 19 Uhr und mit der längsten Sonnenscheindauer des Monats von 9.1 Stunden, sowie am 10. und 11., als die Temperatur am 10. sogar auf 17.5 Grad um 19 Uhr klettert und am 11. die Maximaltemperatur von 22.4 Grad erreicht wird. Es sind richtige „Traubenkocher-Tage“, die im Rebberg der Aarauer in Herznach die nötigen Oechslegrade be- wirken. Um die Monatsmitte verursacht eine Störungszone erneut Regen und Abkühlung. Am Bettag-Nachmittag (17.) wird aber bereits wieder eine der höchsten September-Temperaturen gemessen (20.9 Grad), bei wolkenlosem Himmel. Von nun an bleibt der Witterungscharakter wechselhaft, aber der Bachfischet (am 22.) findet bei trockenem, wenn auch recht kühlem Wetter statt. Die kühlen Tage halten an, weisen aber relativ viel Sonnenschein auf. Der MAG hat Wetterglück (ab 28.), der 29. weist zwar die tiefste 19-Uhr-Temperatur im September auf , hat aber die zweitlängste Sonnenscheindauer. Die Minimaltemperatur im September wird am letzten Tag mit 0.1 grad gemessen. Da und dort reicht es sogar zu Bodenfrost.


Oktober 1995

Wärmster Oktober in diesem Jahrhundert (4.3 Grad zu warm; bis- herige Rekorde 1966 und 1967). Fast kein Regen (nur 10% der Norm). Sonnenscheindauer: 115% der Norm , da doch viel Nebellagen. Die sich global abzeichnende Erwärmung ist hierzulande eindeutig im Herbst am ausgeprägtesten. Während des ganzen Monats dominier- en Hochdrucklagen das Wetter. So kann auch die Traubenernte für den Aarauer Wein am 14. unter günstigsten Bedingungen durchgeführt werden. Erst die letzte Oktoberwoche bringt mit einem Wechsel von Störungszonen und erneutem Hochdruckeinfluss bedeutungslosen Niederschlag (6.0 mm). Die übrigen 1.6 mm Regen dieses Monats sind auf die erste Monatshälfte verteilt! Nur der Oktober 1920, 1943 und 1985 war noch niederschlagsärmer. Der wärmste Tag mit 22.4 Grad ist der 4. Im Aaretal liegen häufig Morgennebelfelder, die sich tagsüber auflösen, sodass die durchschnittliche tägliche Sonnenscheindauer doch noch 3.1 Stunden beträgt (von 0 Stunden am 1. und 14. bis 7.3 Stunden am 22.). Eine kräftige Bisenströmung auf der Südostflanke einer Hochdruckzelle über Grossbritannien lässt am 23. die Temperatur auf 4.8 Grad sinken. Ein von den Azoren heranziehendes flaches Tief löst nun am 28. Bewölkungsaufzug und anschliessend geringe Niederschläge aus. Aber schon wieder begleiten Trockenheit und Hochnebel, über dem das Wetter sonnig ist, den letzten Oktobertag.


November 1995

Etwas zu warm, trotz zwei intensiven Kaltlufteinbrüchen. Wir werden von Sonnenschein verwöhnt (43% mehr Sonne als normal). Abnormal geringe Nebel- oder Hochnebelhäufigkeit. Leichter Schneefall an vier Tagen (17. bis 20.). Wie eine Walze kommt seit Monatsbeginn arktische Kaltluft in unsere Gegend. Aarau liegt am 4. knapp an der Schneefallgrenze. Die Temperatur sinkt auf -2.9 Grad (erste Minustemperatur in diesem Herbst). Bis zum 7. fällt sie weiter und erreicht dann das November- Minimum von -4.5 Grad. Fast in der ganzen ersten Monatshälfte ist die Sonnenscheindauer hoch und liegt über der Norm. Die aussergewöhnlich niedrige Nebelbildung ist darauf zurückzuführen, dass die vorher eingeflossene Kaltluft sehr trocken war. Am 12. wird Mittelmeerluft, verbunden mit Föhn, nach Norden geführt, was uns einen Sonntag in Topformat schenkt. Die Temperatur erreicht maximale 15.6 Grad. Gartenwirtschaften sind geöffnet, und man kann sich nachmittags an der Sonne nochmals tüchtig aufwärmen lassen. Ein seltenes Ereignis Mitte November! Ab 16. folgt eine Starkregenperiode mit einer zweiten markanten Abkühlung (bis -3.9 Grad) in diesem Monat, welche an vier Tagen für ein paar Schneeflocken verantwortlich zeichnet. Am Vormittag ist es jeweils da und dort etwas weiss. Eine Hochnebeldecke verwehrt an den sechs letzten Tagen des Monats der Sonne den Zugang zu Aarau total, wobei jedoch eine südliche Höhenströmung für wärmere Luft sorgt.


Dezember 1995

Ungewöhnlich niederschlagsreich. Erste Monatshälfte zu kalt und trocken, zweite mit warmer Periode und sehr hohen Niederschlägen (Weihnachtstag!). Wenig Sonne. Nur 6 Schneetage. Wolkenlos ab 10 Uhr - so beginnt der letzte Monat im Jahr. Ein Kaltlufttropfen auf der Südflanke eines Hochs über Nordosteuropa lässt dann die Temperatur unter den Gefrierpunkt sinken. Am 5. morgens schneit es ganz wenig. In der Folge ist Hochnebel unser Begleiter; da- rüber soll die Sonne scheinen! Entsprechend ist es bei uns kalt. Dann, am 13., scheint der Winter Einzug zu halten. An zwei Tagen (13. und 14.) erleben wir etwas Schneefall, was zu einer Schnee- höhe in den Gärten von einigen Zentimetern führt. Ob's wohl bis zu Weihnachten halten wird? Nein, denn schon am 16. und 17. ist es wärmer, es taut. Und als am 18. ein Wirbel aus Westen endgültig eine Veränderung des Witterungscharakters einleitet, ist es mit der Hoffnung auf weisse Weihnachten endgültig vorbei. Die Temperatur klettert auf das Monatsmaximum von 12.6 Grad. "Regen" heisst nun die Losung. Die milde Witterung vor Weihnachten ist schon seit jeher eine Wetterspezialität, tritt aber in den letzten Jahren gehäuft auf, und der Winter verschiebt sich immer mehr in den Januar und Februar hinein. Am Abend des 24. setzen Dauerniederschläge ein. Die Sintflut in den südlichen Tälern unserer Region ist programmiert. Zum zweitenmal innert 18 Monaten sind die Täler von Hochwassern betroffen. Gefährlich wird es nun am 26., als uns eine kalte Luftmasse erreicht, was zu Schneefällen führt, wobei der Schnee an den Bäumen gefriert und Schneedruck- schäden auftreten. Waldspaziergänger müssen sich vor herabfallenden Ästen in acht nehmen. Aber dafür können wir nun richtiges Winter- wetter geniessen. Es liegt 12 cm Pulverschnee. Mittwoch, der 27. wird als strahlender Wintertag in die Geschichte eingehen, mit der monattiefsten Temperatur von -9.6 Grad. Erst am Altjahrabend wendet sich das Blatt, als mit einer von Westen vordringenden Tiefdruckzone Tauwetter eintritt und den Winterfreuden ein abruptes Ende bereitet.

letzte Aktualisierung: 08 Jan 2012

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