Aarauer Wetter Rückblende

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2006

Wetter-Rückblende > Monatliche Wetterrückblende > ab 2000

Januar 2006

«Pflotsch» war das Losungswort zu Beginn des Jahres 2006, was allerdings der Aktion «Aarau sammelt» keinen Abbruch tat. Sonnenschein um die Mittagszeit trug noch zum guten Gelingen bei. Hätte man gewusst, was noch auf uns zukommen wird, wäre man um das Schmelzwasser froh gewesen. Denn im Januar fielen nur 43 Prozent der normalen Niederschlagsmenge, das hiess: Schnee fehlte. Nach dem Tauwetter zu Monatsbeginn lagen an den Strassenrändern in den Aussenquartieren nur noch einige wenige Schneehaufen. Schliesslich fand man 6 cm Neuschnee am Morgen des 17., der aber durch den bald einsetzenden Regen schmolz. Am 26. fiel erneut ein Schäumchen, aber das war dann schon alles für diesen Januar 2006! Das stationäre Hoch «Andreas» über der Ostsee sorgte für stabiles Wetter , was für Aarau «Nebel» hiess, der uns stark plagte. Nachts klarte es vielfach auf, und vom südlichen Firmament grüsste uns der zu dieser Zeit sehr helle Sirius im «Winter-Sechseck». Mit dem Ansteigen der Feinstaubbelastung weit über den zulässigen Höchstwert bis auf 98 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (am 14.) wurden am 16. Massnahmen gegen die Luftbelastung ergriffen, wobei dann der Regen am 17. und 18. (35 mm) die Luftqualität ohnehin verbesserte. Am 22. erfolgte der rasche Übergang zu wiederum winterlichem Hochdruckwetter, und die Temperatur sank am 25. auf minus 9,1 Grad in der Nacht, stieg aber am Tag auf über null. Nur vier Tage vorher mass man noch den relativ hohen Wert von plus 7,5 Grad. Der leichte Schneefall um die Monatsmitte (6 cm) wich bald dem Regen, sodass in der Stadt der Schnee verschwand, während im Jura auf der Stockmatt das winterliche Weiss erhalten blieb. In den letzten sechs Tagen des Monats legte die Sonnenscheindauer laufend zu (am 30. und 31. ganztags Sonne). Die Temperaturen bewegten sich im Durchschnitt aber unter dem Gefrierpunkt, sodass trotz viel Sonnenschein (ein Drittel mehr als normal) der Monat 1,0 Grad zu kalt war. Die Kinder mussten mangels Schnee den Schlittelfreuden entsagen. Doch ab 28. waren Sportferien angesagt, und die Familien machten sich aus dem (Fein-)Staub und fuhren weg in die Skigebiete, wo sie reinere Luft vorfanden.


Februar 2006

Wer seine Lunge schonen wollte, ging nicht in die Stadt an die «frische» Luft, sondern schon eher noch in den Wald, wo man jedoch reif-, schnee- und eisglatte Waldstrassen vorfand und man sich Sturzgefahren aussetzte. Das war im Januar 2006 so und setzte sich im Februar fort. Wie nützlich wäre es gewesen, jetzt genauere Messresultate über lungengängige Luftpartikel zu erfahren und Vergleiche mit früher anzustellen. Wenn doch nur die luftelektrische Station der Alten Kanti noch bestanden hätte, deren Betrieb der Grosse Rat anno 2002 etwas allzu leichtfertig aus dem Budget gekippt hatte! In den ersten Februartagen war die Feinstaubbelastung enorm hoch (am 1. um 11 Uhr mit 134 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft). In der Oberen Vorstadt zum Beispiel breitete sich auf den Trottoirs Industriestaub aus. Äste von Bäumen waren gräulichweiss, wie mit Raureif überzogen. Es war geradezu ein gespenstischer Aushang der Natur. Hinter einer bräunlichen Dunstschicht zeigte sich zögerlich die Sonne. Dann - am 8. - konnte man wieder einmal tief durchatmen. Da schneite es ein wenig, und am 10. lagen 5 Zentimeter Neuschnee. Diese schwache Schneedecke schmolz bis zum 14. rasch dahin, und eigentlich war man ganz froh, dass am 15. und 16. bei zunehmender Wärme zum ersten Mal seit Oktober ausgiebig Regen fiel. Das Wärmemaximum wurde am 21. dank ganztägiger Besonnung mit 10,6 Grad erreicht. Auch der 27. schenkte uns einen weiteren Sonnentag. Aber tags darauf entstand schon wieder ein Wechsel zu Hochnebel, und in den ersten Nachtstunden begann es zu schneien. Wer beim Zubettgehen aus dem Fenster schaute, blickte in eine tief verschneite Landschaft.


März 2006

Es blieb kalt. Vorerst war noch keine Erwärmung in Sicht. Wir befanden uns ?m "Märzwinter". Laut klimatologischer Statistik kann es anfangs März oft noch stark schneien, und so war es denn auch 2006. Die Blüte der Haselnusssträucher lag zwei Wochen im Rückstand. Wir erlebten in den ersten Tagen des ersten Frühlingsmonats ein echtes Wintermärchen. Zur Eröffnung der verkehrsarmen Altstadt am 4. wäre das Spielen des Schneewalzers angezeigt gewesen. Der Festakt versank in dichtem Schneetreiben. Am 5. frühmorgens war das Chaos auf den Strassen komplett. Nun lagen gegen 40 cm rekordverdächtige Neuschneemengen. Aber Schneepflüge und Salzstreuer machten dem Schnee auf den Strassen der Stadt bald den Garaus. Zudem trug die Sonne am wolkenlosen Himmel zur raschen Schneeschmelze bei. Die Strassen waren schon nachmittags wieder schwarz, aber an ihren Rändern lagen riesige Mengen von Schnee. Die Temperatur schwankte in diesen Tagen stark: Am 2. sank sie nachts auf minus 10,3 Grad. Anderntags war es am Nachmittag schon wieder plus 6,7 Grad warm. Das Wetter hielt uns zum Narren, und so richtig aus dem Winterschlaf erwachen konnte man noch nicht. In der mittleren Monatsdekade (10. bis 20.) gab es zwar viel Sonne, doch blieb das Quecksilber an vielen Tagen unter dem Nullpunkt stecken. So blieben auch die grossen aufgehäuften Schneemassen neben den Strassen noch tagelang liegen, und im Wald waren die Strassen weiterhin weiss und vereist. Seltsam war's, im Walde zu wandern, der nach Frühling duftete, und überall lag noch eine ansehnliche Schneedecke. Doch ab 20. schien sich der Frühling nun doch durchzusetzen, pünktlich auf den astronomischen Frühlingsbeginn. Am 22. hatten sich die leimigen Knospen der Rosskastanien auf dem Kirchplatz und im Kasinogarten soeben geöffnet, und am 26. registrierte man die monatliche Höchsttemperatur von 21,1 Grad. Es war der wärmste Tag seit Ende September des Vorjahres und sinnigerweise der Tag, an dem man auf Sommerzeit umstellte! Die partielle Sonnen?nsternis am 29. über Mittag war am veilchenblauen Himmel zwischen weissen Wolkenfetzen gut zu verfolgen. Die Eröffnung der AMA am 30. fand an einem Regentag und bei kühler Witterung statt. Der letzte Tag war geprägt durch zunehmend sonniges und wärmeres Wetter lm ganzen fiel im März weit mehr als das Doppelte einer normalen Niederschlagsmenge, teils als Schnee zu Beginn, teils als Regen am Monatsende Die Besonnung lag wenig unter der Norm. Der März war als vierter Monat in Folge zu kalt. Die nasse und kühle Witterung half einzig dem Wald in seinem Kampf gegen den Borkenkäfer.


April 2006

Anfang April 2006 vermieste uns eine lebhafte Westwindlage alle Frühlingsgefühle. Die Temperatur sank bis auf minus 2,0 Grad am 7. Ja, es schneite sogar einige Zentimeter am 5. bei der «Starbucks»-Eröffnung im Kasinogarten. Im Jura waren es 20 cm, und die weisse Kulisse im Norden der Stadt war im Sonnenlicht, welches nun drei Tage lang die Wetterszene beherrschte, bezaubernd anzuschauen. So verlief auch der Waldarbeitstag am 8. unter einem wolkenlosen Himmel problemlos. Doch schon am andern Tag (9., Palmsonntag) kam die Retourkutsche: ganzer Tag 30 mm Regen, nachts 20 mm, Folgetag 25 mm, mit Schnee vermischt. Kühle Temperaturen und Dauerregen liessen den Frühling nochmals in weite Ferne rücken. Oberhalb der Juraweid bei Biberstein war der Jura weiss. Dies war ein sehr später Wintereinbruch. Das Quecksilber fiel am 8. nochmals unter den Gefrierpunkt. Von da an hiess die Parole: «Langsamer Aufbruch in den Frühling»: Zunehmende Besonnung und steigende Temperaturen bis zum frühsommerlichen Wert von 23,5 Grad am 24. Dazwischen gelegentlich wechselnd bewölkt, gerade über Ostern (16.), nachdem es nachts 10 mm geregnet hatte. Die Uferwege der Aare oberhalb des Süffelsteges waren immer noch stark überschwemmt und nicht begehbar. Ab 19. überraschten uns sechs Tage mit einem Lüftchen voller Süden. Zum ersten Mal konnte man auch auf Sitzplätzen im Freien essen. Die Aargauer Delegation am Zürcher Sechseläuten (24.) profitierte auch davon. Doch brachten die letzten Tage wieder einen starken Temperaturrückgang, sodass es am Monatsende nochmals zu Bodenfrost (minus 0,9 Grad am Morgen) reichte. Nach vier zu kalten Monaten in Folge endlich wieder einmal ein Monat, der 0,8 Grad über der Norm lag.


Mai 2006

Als ob sich die Sonne dafür entschuldigen wollte, dass sie an der Eröffnung der Badi am 1. nicht so ganz mitmachte › es war nachmittags bedeckt, die Nacht war die kälteste des Monats (1,3 Grad) ›, liess sie ihre Strahlen in den Folgetagen in voller Kraft auf uns niederbrennen, sodass am 4. die höchste Monatstemperatur (25,4 Grad) erreicht wurde. Aber dann dominierte bis zum Monatsende meist unbeständiges Wetter , abgesehen von sonnigen Abschnitten unter kurzem Zwischenhocheinfluss. Die Eisheiligen, diese «Sommerverzögerer», schienen sich verschlafen zu haben. Statt zwischen dem 12. und 15. (oder gemäss Gregorianischem Kalender zehn Tage später) aufzutreten, erwachten sie erst ab dem 28. und machten sich bis in den Juni hinein bemerkbar. Oder dann waren sie zu früh gekommen, schon Anfang Mai, als sie Frostschäden in den Rebbergen und Beerenkulturen hinterliessen. Der Mai liess uns mit unsern Sommergefühlen allein auf weiter Flur! Er bot eine Mischung von Eisheiligen und Schafskälte. In den letzten Tagen stand die Quecksilbersäule am Morgen bei 4 bis 7 Grad, und nachmittags um 14 Uhr lagen die Temperaturen zwischen 8 und 12 Grad. Dazu regnete es öfter. Die Schneefallgrenze tauchte bis zu den Jurahöhen ab. Weder Badi- noch Gartenwirtschaftswetter. Trotz allem: Der Mai war dank einigen wenigen Tage mit viel Sonne Anfang Monat und zwischen dem 10. und 15. erstaunlicherweise 1,1 Grad wärmer als das Temperaturmittel von 1961 bis 1990 (12,8 Grad). Die Pferderennen im Schachen (14. und 21.) profitierten von den seltenen Schönwetterlagen. Die Regenmenge war um 89 Prozent grösser als normal. Auch die Sonne zeigte sich nur während 146 statt 168 Stunden.


Juni 2006

In der Hoffnung, der Juni 2006 werde sich punkto Wetter zum Bessern wenden, startete man in den ersten Sommermonat. Aber die beiden ersten Tage setzten dieser Hoffnung einen Dämpfer auf. Bei der spätwinterlichen Kälte von 3,1 Grad am frühen Morgen des 3. (Pfingstsamstag) liess man die Sommerkleider gerne noch im Schrank hängen. Die Sonne blinzelte hie und da durch die Wolken, und da sie immer mehr ihrem Höchststand zustrebte, ergriff sie schliesslich die Initiative ganz und schenkte uns ab dem 8. sommerliche Wärme. Ab dem 8. begann sich der Sommer langsam einzuschleichen. Pünktlich auf den Beginn der Fussball-WM hin, zeigte sich auch das Wetter als Weltmeister! Am 11. war der erste Sommertag (über 25 Grad), und es folgten ab dem 14. Hitzetage (über 30 Grad). Und am 25. erreichte man den monatlichen Höchstwert von 32,2 Grad; aber auch da war es frühmorgens lediglich 10 Grad warm. Hingegen reichte es am längsten Tag fast zu einer Tropennacht (über 20 Grad). Anderntags (am 22.), als die neue Bundesrätin Leuthard in Aarau warm empfangen wurde, folgte ein spürbar starker Temperatursturz um fast 10 Grad, was aber dem Ruf des Juni als sonniger (142 Prozent der Norm) und niederschlagsarmer (19 Prozent) Monat keinen Abbruch tat. Schon bald erreichten die Temperaturen wieder hochsommerliche Werte, was eigentlich zur Freude Anlass gegeben hätte, wäre da nicht das Ausscheiden der Schweiz an der WM beim Penaltyschiessen gegen die Ukraine gewesen (am 26.)! Makellos ging ein Juni zu Ende, in dem man die Schafskälte nach dem schlechten Mai überhaupt nicht vermisste, in dem aber auch sehr hohe Ozonwerte (180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) gemessen wurden und am 20. Saharastaub bis zu uns gelangte.


Juli 2006

Juli: Spannung lag zu Beginn des Monats Juli 2006 in der Luft. Wie wird wohl das Wetter am Maienzug sein? Der Juni war ja so heiss und trocken und der Juli zu Beginn auch noch! Aber unser Maienzug scheint den Regen magisch anzuziehen. Am 4. Juli hielt Aarau punkto Temperatur den Schweizer Rekord (34, 0 Grad). Am folgenden Tag war es schwül, was abends in einem starken Gewitter mit Windböen und einem Temperatursturz von 10 Grad endete. Auf den Maienzug-Vorabend hin war eine Kaltfront im Anzug. Nieselregen am Maienzugmorgen (7.) und ein Starkregen gegen Mittag verhinderten das Bankett auf dem Schanzmätteli. Die Höchsttemperatur lag bei kühlen 20 Grad. Nun aber, nachdem Petrus seine Freudentränen über den Maienzug ausgegossen hatte, begann die grosse Hitzewelle, die am 25. in einer Temperatur von 35,7 Grad gipfelte und von der auch die Premiere des «Don Quichote» profitierte, obwohl um 22 Uhr ein Gewitter mit Regen niederging. Die Ozonbelastung war hoch (194 Mikrogramm am 20. um 18 Uhr an der Messstation Suhr). Am 28. endlich 24 mm Regen. Dazu sank am Nachmittag die Temperatur innert einer Stunde um 11 auf 17 Grad. Die folgenden Tage brachten wieder etwas Wärme, und es blieb trocken. Am 31. ab 10 Uhr beendete ein Polarlufteinbruch die Juli-Hitzeperiode. Der Monat war in Aarau 4,6 Grad zu warm. Es war der heisseste Juli seit 1864 (Beginn der Messreihe). Er setzt die Reihe der überdurchschnittlich hohen Juli-Temperaturen seit 1982 (also seit 25 Jahren) fort. Die Niederschläge betrugen nur 45 Prozent der Norm. Hitze und Trockenheit bewirkten einen vorzeitigen Blattfall der Bäume, schwächten sie und machten sie anfällig für den «Buchdrucker» (Borkenkäferart). Anderseits wuchsen die Triebe der Reben im ortsbürgerlichen Rebberg in Herznach rekordverdächtig stark!


August 2006

Im August 2006 war es endgültig klar: Der «Affenkasten» wird umgenutzt. Entsprechend in Wehmut versunken, vergoss der hoch oben an der Hausfassade thronende Affe seine Tränen in Strömen, und ihm gleich tat es auch der Wettergott, der uns mit seinem Nass den ganzen Monat vermieste und dem Hochsommer ein abruptes Ende setzte. Es war der sonnenärmste August seit 105 Jahren (Besonnung nur 66 Prozent der Norm). Daraus resultierte auch ein Wärmedefizit von 1,8 Grad. An 15 Tagen erreichte die Temperatur nicht einmal 20 Grad. Es regnete anderthalbmal so viel wie normal im August. Nach der 52-tägigen Hitzewelle seit 10. Juni fiel nun eine Periode kühlen Regenwetters zeitlich genau in den Monat August. Die Bundesfeier bei der Friedenslinde ging mit einem Mix aus Sonne und Wolken über die Bühne, wobei gelegentlich nachmittags und abends einige Tropfen fielen und die Temperatur nie über 20 Grad stieg. Die erste Augusthälfte blieb kühl und nass. Wahrlich kein Schulferienwetter! Am 13. mass man Werte von 12 Grad am Morgen und lediglich 13 Grad am Mittag. Zufälligerweise wurden im Hitzesommer 2003 am gleichen Tag die höchsten Werte des damaligen Sommers registriert, nämlich 37,0 Grad, die höchste je gemessene Temperatur im August! Ab 15. zeichnete sich eine Trendwende ab: Die Sonnenscheindauer nahm zu, und die Temperatur stieg auf das Monatsmaximum von 25,7 Grad (am 17.). Es folgten › zum Abschluss der kalendarischen Hundstage › ein paar sonnige Spätsommertage (18., 23 und 25.), doch zu Übermut war keine Veranlassung, denn nachher rutschte das Quecksilber massiv in den Keller. Der Waldhüttengottesdienst musste wegen Kälte und Regen ins Innere verlegt werden. Nicht nur «Gfröörlig» drehten die Heizung wieder an. Am letzten Augusttag meldete sich der Sommer nochmals zurück, zwar mit bescheidenen 20,2 Grad. Interessant ist, dass in den letzten 27 Jahren nur gerade vier August kälter waren als normal, und zwar minim kälter (1982, 1996, 2005). Vor 1980 gehörten kühle Augustwerte, wie wir sie 2006 erlebten, zur Normalität des damaligen Klimas. Seither stieg die Temperaturkurve sprunghaft an. Ob der nasskalte August 2006 dieses Jahr eine Wiederholung finden wird?


September 2006

Am 1. September 2006 rief ein Hoch den Sommer noch einmal etwas in Erinnerung. Man fragte sich schon: Geht der September wie schon Juni und Juli weiterhin auf Hitzerekord-Kurs? Tatsächlich war er einer der wärmsten Monate (3 Grad zu warm!) seit Messbeginn im Jahre 1864. So läutete er den wärmsten Herbst seit Menschengedenken ein, weil ja dann auch Oktober und November hohe Wärmeüberschüsse aufzuweisen hatten. Aussergewöhnlich warm war es vom 3. bis 7., mit dem Monatsmaximum am 7. von 28 Grad.

Regen war bis zum 17. Mangelware. So durchquerten auch die Ortsbürger am 16. ihren Wald bei besten Wetterverhältnissen. Am Bettag (17.) regnete es wie aus Kübeln (34 Millimeter), in der folgenden Nacht 40 mm und am 18. tagsüber 18 mm, also 92 mm innert 32 Stunden. Die Aare führte Hochwasser (Durchflussmenge beim Rüchlig-Stauwehr 538 Kubikmeter pro Sekunde, beim Kraftwerk 324). Desgleichen öffnete der Himmel seine Schleusen eine Woche später nochmals, ebenso in der letzten Nacht des Monats › der MAG war gerade zu Ende gegangen! Sonst aber war der September trocken, und ohne diese drei kräftigen Niederschlagsereignisse, die zusammen 144 Millimeter lieferten, hätte er ein grosses Niederschlagsdefizit aufzuweisen gehabt. Denn in der ersten Monatshälfte war die Sonne unser treuer Begleiter. Bei dieser Wetterlage konnte auch die partielle Mondfinsternis am 7. von blossem Auge gut beobachtet werden. Den Bachfischet am 22. › mit einem Tagesmaximum von 24,7 Grad fast ein Sommertag › begleitete ebenfalls ein trockener und sternenklarer Abend. Auch die weissen Trauben im ortsbürgerlichen Rebberg konnten am 28. unter idealen Verhältnissen geerntet werden. Der Monat gehörte zu den drei wärmsten Septembern seit 1864.


Oktober 2006

Der Oktober des Jahres 2006 mit seiner Rekordwärme begann zwar mit einer kalten nächtlichen Dusche von 40 Liter Wasser auf einen Quadratmeter. Frühmorgens zeigte das Thermometer lediglich 14 Grad. Die Pferderennen am 1. Oktober litten etwas unter der Unbill der Witterung. Aber die Sonnenanbeter sollten während des Monats schon noch auf ihre Rechnung kommen. Denn am 7. verhiess ein Blick zum Vollmond in der sternenklaren Nacht einen goldenen Herbstmonat. Dies war auch für die Reifung der Blauburgunder- und Malbec-Trauben im Aarauer Rebberg günstig, welche am 6. und 11. geerntet wurden.

Natürlich versteckte sich die Sonne jeweils am Vormittag unter einer Hochnebeldecke, doch trieb das Tagesgestirn das Quecksilber bis Mitte Monat zunehmend in die Höhe. Nur am 16. machte die Temperaturkurve wegen der zähen Hochnebelschicht einen markanten Schwenker nach unten, um dann sofort wieder anzusteigen. Natürlich war die Diskrepanz zwischen Vor- und Nachmittagstemperaturen infolge des Morgennebels frappant, und Tiefst- und Höchstwerte lagen an gewissen Tagen weit auseinander (6 Grad am Morgen, 20 Grad am Nachmittag).

Die Sonne schien trotz den Hochnebellagen noch ganze 105 Stunden, was ein Fünftel mehr war als die Norm. Dies hatte dann zur Folge, dass auch der zweite Herbstmonat viel zu warm war und das langjährige Mittel um 3,2 Grad überschritten wurde. Die Wärmeperiode erreichte am 26. ihren Höhepunkt. Damit zählt der Oktober 2006 zu den wärmsten seit Messbeginn 1864. Erst am 31. begann sich eine Abkühlung abzuzeichnen, sank doch die Temperatur in der zweiten Nachthälfte auf den tiefsten Wert des Monats (5,0 Grad), und zum ersten Mal hörte man in den Wetternachrichten das Wort «Schneefallgrenze», die bei 800 Meter lag.


November 2006

November 2006, ein ausgesprochen freundlicher und sonniger Monat (154 Prozent Besonnung). Zwar begann er recht kühl, was aber dem Rüeblimärt am 1. keinen Abbruch tat. Der erste Frost meldete sich für einige Tage, aber nach der monatlichen Tiefsttemperatur am 6. von ›2,6 Grad und dem Vollmond am 5. begann der Monat, uns mit Wärme und Sonne zu schmeicheln. Wollte die Sonne mit ihrer Energie den grossflächigen Stromausfall am 5. um 22.10 Uhr wettmachen? Einem herrlichen Martinisömmerli bis zum 8. folgte ein kurzer Wetterwechsel, und als sich am 10. der Himmel am Nachmittag überzog, wie wenn Milch in ein Wasserglas geschüttet würde, wähnte man schon den dunklen Herbst im Anzug. Tatsächlich regnete es am 11. seit langem wieder einmal. Gelegentlich plagte uns dann aber doch der Hochnebel, der sich meistens am Nachmittag auflöste. Es blieb mild, die Sonne zeigte sich fast jeden Tag. Nach dem verregneten 21., der mit 17 Millimeter Regen mehr als einen Drittel der gesamten Niederschlagsmenge des Monats lieferte, blieb es weiterhin trocken. Am 26. lag sogar ein frühlingshafter sonniger Sonntagsspaziergang drin, als es 14,6 Grad warm war (Monatsmaximum). Anderntags holte uns wieder der Hochnebel ein. Wer freie Zeit zur Verfügung hatte, fand auf den nahen Juragipfeln Sonne. In der Stadt jedoch überschritt die Temperatur nie 9 Grad. Dennoch war der Monat viel zu warm (2,6 Grad über der Norm). Da schon September und Oktober noch höhere Wärmeüberschüsse aufzuweisen hatten, ist der Herbst 2006 der wärmste seit 1864. Seit 26 Jahren ist im Herbst ein massiver Temperaturtrend nach oben feststellbar.
kolumnist


Dezember 2006

Im Dezember 2006 stellten die Biologen fest, dass die Fettreserven der Tiere gering waren. Dieser Umstand lasse auf einen milden Winter schliessen. Was dann auch der Fall war. Am 2. war es allerdings bei stark fallendem Luftdruck noch kalt, doch mass man bereits am 5. das monatliche Temperaturmaximum von 15,3 Grad. Bis zum 12. war das Wetter sehr unbeständig. Am meisten Regen fiel am 8. mit 27 Millimeter, die Hälfte der ganzen Monatssumme. Ausgesprochen sonnig, aber mit Frost am Morgen, waren der 13. bis 15. So sah man nachmittags hoch oben am Himmel den abnehmenden Mond, dem bald darauf die Sonne auf ihrer tieferen Bahn folgte, sodass sich «Lady Sunshine and Mister Moon» im Lied von Conny Froboess am Ende doch noch bald getroffen hätten. Bis am 21. sank die Temperaturkurve unter Biswindeinfluss kontinuierlich auf minus 3,7 Grad. Die Landschaft blieb grün, Schnee war noch nicht in Sicht. Unter einem Hochnebeldeckel, der bis auf 1000 Meter reichte, verbrachten wir trübe und grüne Weihnachtstage. Lediglich die Auflockerung des Nebels am 23. ab 15 Uhr liess einen wolkenlosen blauen Himmel erscheinen. Nach dem Stefanstag sank die Hochnebeldecke, sodass uns nach zehn Tagen unter dem Motto «Unten mies, oben Paradies» am 28. nachmittags endlich wieder einmal die Sonne ihre Reverenz erwies. Im Jura fiel massenweise der Raureif von den Bäumen, sodass man wie auf einer Schneedecke wanderte, obwohl es diesen Winter noch nie geschneit hatte. Bis zum Jahresende stieg die Temperatur wieder sprunghaft an. Silvester lud geradezu zu einem Osterspaziergang à la Faust ein, bei milden Temperaturen, eitel Sonnenschein, grünen Wiesen und spriessenden Märzenblumen. Der erste Wintermonat war 2,2 Grad zu warm, und auch die Besonnung war 174 Prozent über der Norm.

letzte Aktualisierung: 08 Jan 2012

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